article de présentation du concert du 19 août aux semaines musicales de Quimper sous la direction de Christian Lauba
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critique du concert du 19 août

Der Tangosänger als Tanzmuffel

Johnny Esteban singt die argentinischen Lieder wundervoll / Beim Kinderkonzert tauchten spannende Fragen auf

 

Winnenden. Tango ist nicht nur Musik, zu der man tanzen kann. Am Montagabend haben drei Musiker aus Frankreich gesungenen Tango aufgeführt, also Kunstlieder von argentinischen Komponisten. Das Interesse war groß: Das Konzert für Erwachsene war schon Tage vorher ausverkauft.

Beim Konzert für Kinder waren 20 Interessierte ganz Ohr. Sie guckten ins geöffnete Akkordeon und erfuhren von den Musikern, dass sie ganz schlechte Tänzer sind.

Um die Frage von Kirchenmusikdirektor Gerhard Paulus zum Tanzvermögen zu beantworten, brauchte Sänger Johnny Esteban keinen Übersetzer. "Nein!", platzte der französische Gast heraus und erntete fröhliches Kichern. Anthony Millet erklärte den Kindern und Erwachsenen: "Musiker spielen lieber, sie sind schlechte Tänzer." Und man könnte zu ihren Stücken auch nur tanzen, wenn man sich vorher dafür eine Choreografie überlegt hat. Auch wenn im ersten Stück der typische, aus langen und kurzen Noten kombinierte Tangorhythmus erklingt, so sind doch die folgenden, unter Tango dargebotenen Lieder weit entfernt vom Tanzschulgrundschritt.Esteban kann powern, so dass sich ein Bub die Ohren zuhältBereits das zweite Stück ist eher eine traurige Ballade. "El ultimo cafe" handelt von einem verzweifelten Mann, der von seiner Frau verlassen worden ist und bei einem Kaffee seinen Verlust betrauert. Vom populärsten Tangosänger, Carlos Gardel, erklingt darauf das Lied "Volver", das von der Rückkehr in die alte Heimat handelt, voller Sentimentalität, Sehnsucht und Schwermütigkeit steckt, aber auch von Sänger Johnny Esteban mit seiner wunderbaren Stimme kraftvoll und ausdrucksstark gestaltet wird. Ein Junge hält sich rasch die Ohren zu, als Esteban seine klassisch trainierte Stimme ins Fortissimo powert.Akkordeonist Anthony Millet erklärt danach auf Französisch, von was der spanische Text handelt, Gerhard Sammet aus Winnenden übersetzt: "Tango ist eine Musik der Auswanderer. Sie kamen von Frankreich, Italien und Deutschland nach Argentinien. Dort trafen sie sich, spielten ihre Musik und die Stile näherten sich aneinander an." Polka und Walzer mischten sich, und die Menschen fanden gemeinsame

Themen: Leidenschaft, Nostalgie, Gefühle.Für die jüngsten Zuhörer ist das schwieriger Stoff, ein Mädchen kuschelt sich bald in Mamas Arme. Konkreter wird es für die Kinder, als Anthony Millet sein Instrument erklärt, es durch Aufziehen und Zusammendrücken des Blasebalgs "atmen" lässt und sich dann auf den Bühnenrand setzt und eine "Autopsie" seines Instruments ankündigt. Er zeigt, was unter einer Abdeckung verborgen ist: Die Luft des Blasebalgs erzeugt an den Zungen kleiner Pfeifen einen Ton, wenn der entsprechende Knopf gedrückt ist. Ein Junge fragt: "Wie findet man unter all den Knöpfen den richtigen?" Millet schmunzelt und lobt: "Gute Frage. Da sind Markierungen drauf." Rechts, wo er die Melodien spielt, und links, wo er die Begleitakkorde erzeugt. Hierzulande sieht man häufiger die Akkordeone mit Tasten auf der rechten Seite. Mit den Knöpfen habe man mehr Möglichkeiten, die Musik zu gestalten, so Anthony Millet.

 

Waiblinger Kreiszeitung/ 21.4.2010


Critique du concert de Winnenden du 21 mai 2010

 

Ein furioses Ständchen zum Abschied

Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 21.04.2010

Winnenden Der scheidenden Volkshochschul-Leiterin Christel Ludwig ist ein Tango-Abend im Kunstkeller gewidmet. Von Thomas Schwarz

 

Große Worte und gar welche vom Abschied sind nicht Christel Ludwigs Ding. Als Markus Hadulla, der künstlerische Leiter der Reihe Wort und Ton, ihr nach der letzten Veranstaltung der Saison dankt, winkt sie lächelnd ab. Das Publikum im Winnender Kunstkeller lässt sich dennoch nicht abhalten, der bald in den Ruhestand gehenden Leiterin der Volkshochschule mit großem Applaus zu danken. Schließlich ist Christel Ludwig maßgeblich daran beteiligt gewesen, als vor zehn Jahren das Programm ins Leben gerufen wurde, welches Musik und Literatur gekonnt vereint. "Nur nicht zu traurig", habe die humorvolle Ludwig ab und zu mit Blick aufs Programm gemahnt, verrät Hadulla, bevor die Musiker des Abends - der Sänger Johnny Esteban, Lionel Allemand am Violoncello und Anthony Millet am Akkordeon - ihr auf ihre Weise danken: mit dem Lied "Final" von Astor Piazolla.

 

Den Abend hat sich Christel Ludwig gewünscht, die argentinische Musik liegt ihr am Herzen. Die drei französischen Musiker haben dazu eine weite Anreise auf sich genommen. Johnny Esteban lebt im Osten Frankreichs, Anthony Millet in Toulon und Lionel Allemand in Tours, also bereits im Nordwesten der Grand Nation. "Wir sind immer froh to be here", sagt Esteban, der wie seine Kollegen den Tango voller Inbrunst zelebriert. Dem treuen Publikum von Wort und Ton ist vor allem Millet in Erinnerung geblieben, der nach dem Jubiläumsprogramm zum fünfjährigen Bestehen während der Feier im Alten Rathaus nicht mehr aufhören wollte, auf dem Akkordeon zu spielen. Und auch am Montagabend hat sich das Trio nicht lange bitten und dem Programm drei Zugaben folgen lassen - alle drei Stücke komponiert vom Großmeister auf dem Bandoneon, Astor Piazolla.

 

Während des Abends waren neben der Musik des 1992 verstorbenen Piazolla natürlich auch Titel anderer Größen des Tango Argentino zu hören. "Volver" von Carlos Gardel, dessen Bilder heute noch, 75 Jahre nach seinem Tod, überall in Argentinien präsent sind, Lieder von Anibal Troilo und Gerardo Rodriguez waren zu hören. Dazwischen trug der Rezitator Michael Stülpnagel eine bunte Mischung von Texten vor, die thematisch zum Tango passen. Da war man doch verblüfft, wenn man im Programmheft nachschaute, von wem die literarischen Schmankerln stammten: Der Bogen spannte sich von Marcello Mastroianni über Theodor Storm und Hugo von Hofmannsthal bis Erich Kästner und Jorge Luis Borges, der zu den bedeutendsten Schriftstellern Argentiniens zählt.

 

Von Borges trug Stülpnagel die Erzählung "Der Mann von Esquina Rosada" vor, die Geschichte vom Duell zweier Messerkämpfer um eine Schönheit vom Stadtrand. Die tragische, hochemotionale Geschichte wurde in zwei Teilen vorgetragen, unterbrochen von dem passenden Lied "Oblivion", das die melodramatische, düstere Stimmung des Textes verstärkte. In einzelnen Passagen unterstrichen Allemand und Millet den Text leise mit ihren Instrumenten. Die Kombination von Musik und Sprache - egal ob gesprochen oder gesungen - begeisterte das Publikum.

 

Einer der Höhepunkte des Abends war dennoch rein instrumental. "Le grand tango" für Violoncello und Akkordeon erklang als letzter Titel vor der Pause und zeigte, wie virtuos Millet und Allemand ihre Instrumente beherrschen - so wie der Komponist des Stücks: Astor Piazzolla.